LÖWE-Wälder haben Superkräfte

Im LÖWE-Wald stehen Laub- neben Nadelbäumen, junge Bäume neben alten, niedrige neben hohen und solche mit dickem Stamm neben solchen mit dünnen. Es gibt hier sogar tote Bäume und sie sind hochwillkommen. Denn: verschiedene Bäume verleihen dem Wald Superkräfte!

LÖWE ist die Abkürzung für das Programm Langfristige Ökologische Waldentwicklung. Dabei werden die Wälder so weiterentwickelt, dass sie gesunde Mischwälder werden. Denn alle heimischen Bäume im Mischwald sind zusammen einfach ein super Team!

Zusammen verleihen die Bäume dem Wald Superkräfte. Hier können verschiedene Tier- und Pflanzenarten leben und der Wald hat mehr Kraft, um Schädlingen und Naturgewalten, wie Eis, Schnee, Stürmen und Bränden zu trotzen. 

Vor langer Zeit waren unsere Wälder von Natur aus Mischwälder mit ganz verschiedenen Bäumen. Dann, im Mittelalter, wurden die Wälder gerodet, also abgeholzt und abgebrannt. Das haben die Menschen gemacht, um Platz für Felder zu gewinnen und das Holz als Bauholz und Feuerholz zu verwenden. Später wurden die Wälder hauptsächlich mit Fichten wieder aufgeforstet. Wenn ein Wald hauptsächlich aus einer einzigen Baumart besteht, nennt man das "Monokultur" oder "Reinbestand".

LÖWE ist das Programm, mit dem seit 1991 der Niedersächsische Landeswald wieder langfristig in einen Mischwald umgestaltet wird.

zu den Habitatbäumen

Lieber Moder als Mono

Die Reinbestände und Monokulturen sind extrem anfällig für Schädlinge und Naturgewalten wie Eis, Schnee, Stürme und Brände.

Mischwälder mit verschiedenartigen Laub- und Nadelhölzern dagegen bieten den besten Schutz vor diesen Gefahren. Deshalb werden heute Reinbestände, auch aus Kiefern oder Buchen, mit anderen Baumarten durchmischt. 

Im Schutz alter Kiefern zum Beispiel werden gezielt junge Buchen angepflanzt. 

Reinbestände wird es im Wald der Zukunft nur noch an extremen Standorten geben, etwa im besonders rauen Klima des Hochharzes, wo eben fast nur Fichten gedeihen. Natürlich vollzieht sich diese Umwandlung nicht von heute auf morgen. Sie braucht viel Zeit – Jahre, Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte. 

Doch wer genau hinsieht, sieht schon nach den ersten 20 Jahren an vielen Stellen eine neue, hoffnungsvolle Generation kleiner Buchen und Eichen heranwachsen, die den alten Wald durchmischen und ihn so gegen Stürme und den kommenden Klimawandel wappnen.

 

Warum ist der Waldboden so wichtig?

Der Waldboden wimmelt vor Leben. Kaum zu glauben, aber in nur einer Handvoll frischer Walderde leben mehr als eine Milliarde Lebewesen. Regenwürmer, Asseln, Hundertfüßer, Mistkäfer, Springschwänze, Milben, Bakterien, Pilze und andere Kleinstlebewesen verwandeln die oberste Schicht aus Laub und anderen abgestorbenen Pflanzenteilen in guten, fruchtbaren Humus, auf dem neue Pflanzen entstehen können. Ohne den Waldboden könnte der Wald nicht wachsen und gedeihen. Deshalb ist er für die Lebensgemeinschaft Wald so ungeheuer wichtig und muss besonders geschützt werden. Das bedeutet, dass an diesen nährstoffreichen Boden kein Dünger kommt und Erntemaschinen nur die eigens dafür angelegten Rückegassen benutzen, um ihn nicht zu beschädigen. 

Die Baumarten, die neu gepflanzt werden, müssen sich auf dem jeweiligen Boden und am jeweiligen Standort wohlfühlen, damit ihre Wurzeln das Erdreich erschließen und verbessern können. Darum wählt man fast nur solche Bäume aus, die dort auch von Natur aus wachsen würden, in der Heide zum Beispiel Buchen aber auch Eichen und Kiefern. Ganz draußen bleiben müssen fremdländische Bäume trotzdem nicht. Ökologisch zuträgliche Gewächse, also solche, die an das Klima und den Boden angepasst sind und den Erdboden auf lange Sicht verbessern, werden zum Teil sogar ganz gezielt angepflanzt. So eine Exotin ist zum Beispiel die Douglasie, die mit den Buchen und Fichten unserer Wälder ein gutes Team bildet. 

Die Mischung macht's

Wenn alle Arten von Bäumen kreuz und quer stehen hört sich das nach einem großen Durcheinander an, aber die Sache hat ihren Grund: In diesem vielschichtigen Wald finden viel mehr Tier- und Pflanzenarten Nahrung und Unterschlupf als beispielsweise in einem reinen Fichtenwald. So leben heute in unserem Landeswald wieder Schwarzstörche, Laubfrösche oder das Knabenkraut, eine seltene Orchideenart.

Auch betagte und abgestorbene Bäume gehören im LÖWE-Wald dazu. In den Landesforsten wird nicht jeder reife alte Baum gefällt und verwertet. Manche lässt man bewusst stehen; Förster bezeichnen sie als Habitatbäume. Sie dürfen ganz allmählich und natürlich altern und schließlich zerfallen – sehr zur Freude von Spechten, Hornissen und anderen Baumhöhlenbewohnern. Totholz ist für den Wald nützlich und voller Leben, denn hier entstehen wertvolle Lebensräume und Nischen für allerlei Getier, aber auch Moose, Flechten und Pilze finden hier einen Platz. Pilze zum Beispiel zersetzen das abgestorbene Holz und führen es wieder dem Kreislauf der Natur zu. Auch seltene und bedrohte Tierarten bekommen so eine Chance zum Überleben.

Die 13 Ziele des LÖWE-Programms

Das will das Programm für Langfristige Ökologische Waldentwicklung "LÖWE" erreichen:

  1. Schutz des Waldbodens und Pflanzung passender heimischer Bäume
  2. Vermehrung von Laub- und Mischwald
  3. Pflanzung auch von geeigneten fremdländischen Baumarten
  4. Verjüngung des Waldes möglichst auf natürliche Weise
  5. Mischung von alten und jungen, dicken und dünnen, hohen und niedrigen Bäumen
  6. Holzernte zum optimalen Zeitpunkt
  7. Erhalt alter Bäume und Schutz seltener und bedrohter Tiere und Pflanzen
  8. Einrichtung von Waldschutzgebieten
  9. Gewährleistung der vielfältigen Funktionen des Waldes
  10. Gestaltung und Pflege der Waldränder
  11. Ökologischer Schutz des Waldes
  12. Regulierung der Wildtierzahl zum Schutz des Waldes
  13. Schonender Einsatz der Forsttechnik