Hier waren Tiere!

Tierspuren lesen

Auch wenn den Ausflüglern keine Wildschweinrotte über den Weg läuft, kein Greifvogel direkt vor ihrer Nase ein Mäuslein schlägt und kein Rehkitz sie aus neugierigen, braunen Augen anschaut – da sind die großen und kleinen Waldtiere trotzdem. Allerdings so gut getarnt, dass wir Menschen sie mit unserem eher bescheidenen Sehvermögen nicht wahrnehmen. Was wir jedoch sehen können, sind die Spuren, die sie überall im Wald hinterlassen. Die zu suchen ist eine spannende Aufgabe für Spürnasen!

Ein geübter Trapper kann aus Fußspuren am Waldboden spannende Geschichten ablesen.
Ein geübter Trapper kann aus Fußspuren am Waldboden spannende Geschichten ablesen.

Ein geübter Trapper liest in den Fußspuren am Waldboden wie in einem Buch. So wie die Seiten eines Buches vollgeschrieben sind mit Schrift­zeichen, ist der Waldboden „beschrieben“ mit den Fährten un­zähliger Tiere, die darübergelaufen sind. Ein Fährtenleser kann daraus spannende Geschichten ablesen: 

Welches Tier war hier unterwegs, war es jung oder alt, Männchen oder Weibchen, zog es gemächlich oder war es auf der Flucht? Am deutlichsten sind die Abdrücke im Schnee, im feuchten Schlamm oder im weichen, durchnässten Boden nach einem Regenguss zu erkennen. 

Dabei hinterlässt jede Tierart einen unverwechselbaren Fußabdruck; der eine stammt von Pfoten wie zum Beispiel beim Dachs, der andere von Klauen, den sogenannten Schalen, wie beim Reh.  

Ein Abdruck mit zwei parallelen Zehen ist das Mar­kenzeichen von Huftieren, genauer gesagt von Paarhufern. Paar­hufer haben zwei oder vier Zehen, wobei sich meist nur das vordere Zehenpaar im Boden abzeichnet; das kleinere hintere ist nur in sehr tiefem, feuchtem Boden sichtbar. An Paarhufern findet man in den Niedersächsischen Landesforsten Rehe, Rot-, Dam-, Schwarz- und Muffel­wild. Der größte Fußabdruck stammt bei uns vom männlichen Rothirsch.

Entdecken die Fährtensucher am Waldboden einen schmalen Pfad, sind sie auf einen Wildwechsel gestoßen. So lautet der Fachausdruck für die Wege, die die Tiere immer wieder benutzen und deshalb ausgetreten sind wie Trampelpfade. Oft verlaufen diese Wege zwischen den Fress- und Ruheplätzen. Wenn man einem Wild­wechsel folgt, hat man daher gute Chancen, über kurz oder lang auch auf die entsprechenden Tiere zu stoßen.

Erdbaue

Folgt man einer Tierspur, steht man vielleicht auf einmal vor einem Erd­­bau, der ins Untergeschoss des Hochhauses Wald führt. Die Bewohner unterirdischer Höhlen sind meistens Dachse, Füchse oder Mäuse. Die weitläufigen Erdbaue haben vielfältige Funktionen: Hier schlafen die Tiere tagsüber, verstecken sich vor Feinden, lagern ihre Nahrungsvor­räte, ziehen im geschützten, warmen Nest ihren Nachwuchs auf oder halten ihren Winterschlaf. Dabei sind die tierischen Architekten durchaus 
kreativ: Manchmal werden auch Felsspalten oder Gruben unter Wur­zeltellern zu Wohnstätten ausgebaut. 
Wer aufmerksam beobachtet, kann im Waldboden kleine Löcher entdecken, die in die Baue von Mäusen führen. Dachsbaue sind oft an bewaldeten Hängen zu finden und an den Eingangslöchern sieht man große Haufen ausgehobener Erde. Die Baue bestehen aus mehreren Stockwerken und einem weitverzweigten Gang­system. Reineke Fuchs ist meist zu faul, sich selbst die Pfoten beim Graben schmutzig zu machen; viel lieber bezieht er Quartier in einer Dachsburg oder auch schon mal in einem Wasserdurchlassrohr. Seine Wohnstätte erkennen Spürnasen nicht nur an Nahrungsresten, die herumliegen, sondern auch an einem etwas strengen Geruch. Puuuh...

Kuhlen und Suhlen am Boden

Haben Schwarzkittel die Erde mit ihrem spitzen Wühlrüssel umgewälzt, sieht sie aus, als hätte sie ein Pflug durchfurcht.
Haben Schwarzkittel die Erde mit ihrem spitzen Wühlrüssel umgewälzt, sieht sie aus, als hätte sie ein Pflug durchfurcht.

Wildwechsel können zu sogenannten Rehbetten führen, die oft unter jungen Bäumen zu finden sind. Die Rehe kratzen die Laub- oder Nadelstreu und im Winter den Schnee zur Seite und formen auf diese Art eine runde Mulde, auf der sie sich niederlegen. In diesem Versteck käuen sie nach der Äsung, also der Nahrungsaufnahme, wieder, ruhen oder beobachten aufmerksam die Umgebung. Meist liegen gleich mehrere Rehbetten nebeneinander. Auch wo Rothirsche gelagert haben, zeichnen sich Mulden im Dickicht ab. Häufig weist am Lager auch Losung, also der Kot, darauf hin, dass hier Reh- oder Rotwild gelagert hat.

Eine andere Funktion haben die Wühlstellen von Wildschwein und Dachs. Besonders die Schwarzkittel graben auf der Suche nach Würmern, Insektenlarven, Mäusen, Schnecken, Eicheln, Bucheckern, Pilzen und alten Ackerfrüchten (lecker: Maiskolben vom Vorjahr!) gern Wiesen, Weiden und Ackerflächen um. Der Schaden, den die Allesfresser dabei anrichten, kann beträchtlich sein; nachdem sie die Erde mit ihrem spitzen Wühlrüssel umgewälzt haben, sieht sie aus, als hätte sie ein Pflug durchfurcht. Die großen Eckzähne (Hauer) der Keiler können diese Arbeit noch unterstützen, doch ist ihr eigentlicher Zweck der Kampf mit anderen Männchen. Der kleinere Dachs wühlt den Boden nicht so stark auf, da er weniger Kraft hat.

In feuchteren Bereichen des Waldes findet man manchmal Suhlen (Schlammpfützen), die von Schwarzwild und Rotwild stammen. Hirsche und Wildschweine wälzen sich im Schlamm aber nicht etwa, weil sie Dreckschweine sind, sondern im Gegenteil, um sich zu reinigen und von Parasiten zu befreien. Durch das Suhlen erreichen sie, dass Insekten wie Hirschläuse, Zecken, Flöhe oder Mücken, die sich in ihren Haaren eingenistet haben, mit dem Schlamm verkleben. Dann lassen die Tiere die Schlammpackung trocknen und schütteln sie samt Plagegeistern ab oder sie scheuern den Schlamm an Bäumen ab (Malbäume siehe Seite 26). Weil dieses Kosmetik- und Wellnessprogramm außerdem für eine angenehme Abkühlung sorgt, fühlen sich Wildschwein und Hirsch danach rundum wohl.

Nester in allen Etagen

Rauhfußkäuze, Wildbienen, Siebenschläfer und Fledermäuse sind dankbare Nachmieter verlassener Spechthöhlen.
Rauhfußkäuze, Wildbienen, Siebenschläfer und Fledermäuse sind dankbare Nachmieter verlassener Spechthöhlen.

Ob in den Baumkronen in luftiger Höhe, in Astgabeln, Baumhöhlen oder selbst im bodennahen Gebüsch – überall gibt es bei genauem Hinschauen Nester zu entdecken. Bei den allermeisten handelt es sich um die Brutstätten und Aufzuchtquartiere der Waldvögel, doch auch Waldwespen und Hornissen sind Nestbauer. Hornissen bauen ihre Nester in den Hohlräumen alter Bäume oder auch in Spechthöhlen. Aus zerkautem Holz und Speichel entsteht ein stattliches längliches Nest von beiger Farbe, das etwa 60–70 Zentimeter lang werden kann. Ähnlich bauen bestimmte Wespenarten ihr Nest, allerdings nicht auf Bäumen, sondern in Erdhöhlen oder unter Wurzeln. Ihr Nest ist kugelförmig und grau.

Viele Vogelarten, die sich sonst kaum im Wald aufhalten, bauen hier ebenfalls ihre Nester. Die Brutstätten der verschiedenen Vögel unterscheiden sich nicht nur durch die Lage, sondern auch durch Größe, Form, Baumaterial und Bauweise. Manche Nester sehen aus wie eine Schale, andere wie eine Kugel mit kleiner Öffnung darin (etwa das des Zaunkönigs). Ein schalenförmiges Nest aus Fasern, Halmen und Moos auf einer Astgabel oder einem waagerechten Ast kann vom Buchfink stammen. Nistplätze im dichten Gebüsch am Boden weisen auf Zilpzalp oder Nachtigall hin.

Fliegende Klauen

Die größten Aufzuchtstätten bauen die Greifvögel; ihre Nester werden auch Horste genannt. Um die recht einfach gestrickten Bauwerke zu entdecken, muss man den Blick ganz nach oben richten. Die Vögel bauen sie meistens auf sehr hohen Bäumen, weil sie dort gut starten und landen können. Dabei gilt als Faustregel: Je größer der Greif, desto höher der Horst. Hoch oben in Eichen und Kiefern richtet der Mäusebussard aus großen Zweigen seine geräumige Kinderstube ein. Der Habicht horstet tief im Wald ebenfalls in luftiger Höhe nahe am Stamm. Sein bis 120 Zentimeter großes Nest benutzt er mehrere Jahre. Ein Stockwerk tiefer, im unteren Bereich der Baumkrone, baut der mit dem Habicht verwandte, aber deutlich kleinere Sperber jedes Jahr einen neuen Horst.

Verlassene Horste von Greifvögeln werden gern von Eulen und Uhus besetzt. Uhus und Waldkauze brüten daneben auch in Felsnischen oder hohlen Bäumen. Die Waldohreule zieht ihre Jungen in den verlassenen Nestern von Krähen und Elstern auf.

Kleine Glitzerdiebe

Riesige überdachte Nester aus Reisern zwischen Ästen sind das Werk von Elstern. Der untere Teil ist mit Erde und mit Wurzeln verstärkt, das Dach besteht nur aus Astwerk. Große Reisignester in den Baumkronen am Waldrand stammen von Krähen. 

Kein Nest-, sondern ein Höhlenbauer ist der Specht. Spechte, die man auch die Zimmerleute des Waldes nennt, meißeln ihre Brut- und Schlafhöhlen tief in die Stämme von alten Bäumen. Während ein Buntspecht in einer Höhe von rund acht Metern ein 4,5 Zentimeter großes Loch hackt, arbeitet der Schwarzspecht in luftiger Höhe von bis zu 25 Metern und schafft es auf 10 Zentimeter.

Tock, tock, wer ist da?

Da Spechte ihre Bruthöhlen immer nur eine Saison lang nutzen, freuen sich andere Waldbewohner, die sich keine eigene Wohnung zimmern können, über den freiwerdenden Wohnraum. Dankbare Nachmieter von verlassenen Spechthöhlen sind etwa der Rauhfußkauz, Meisen, Wildbienen, Hornissen, Siebenschläfer und sogar Fledermäuse, die die Höhle als Sommerquartier und Kinderstube benutzen. Kleiber kleistern den großen runden Eingang bis auf ein kleines Schlupfloch zu. Weil die Spechthöhlen für das System Wald so wertvoll sind, werden morsche alte Bäume mit Spechthöhlen von Förstern und Forstwirten aus ökologischen Gründen erhalten.

Ameisen machen Staat

Die „rote Waldpolizei“ ist für das Ökosystem Wald enorm wichtig. Ihre Truppen beseitigen tote Tiere und jagen Unmengen von Schadinsekten.
Die „rote Waldpolizei“ ist für das Ökosystem Wald enorm wichtig. Ihre Truppen beseitigen tote Tiere und jagen Unmengen von Schadinsekten.

Einen stattlichen Haufen als Nest haben die Waldameisen. Ein Ameisenhügel besteht aber nicht nur, wie man meinen könnte, aus dem kegelförmigen oberirdischen Teil, sondern außerdem aus dem sogenannten Erdbau, der bis tief unter die Erde reicht. 

Waldameisen errichten ihr Nest meist am Waldrand bzw. Waldinnenrand, wo die Sonnenstrahlen bis zum Boden vordringen und vom Nest aufgenommen werden können. Häufig findet man sie in Mischwäldern.

Für die Außenwand ihrer Behausung verbauen die fleißigen Insekten Zweigstückchen, Nadeln, Knospenschuppen, Samenhülsen, Harzteilchen, Moos und andere Pflanzenreste. Das Nest kann gut 1,50 Meter hoch und 2–4 Meter im Durchmesser sein. Löcher fungieren als eine Art Belüftungsanlage für das Innere, in dem Hunderttausende Ameisen wie in einem Staat zusammenleben. Bei genauem Hinsehen wimmelt es hier nur so von fleißigen Ameisen.

Denn lange schon weiß man, wie wichtig die „rote Waldpolizei“, die tote Tiere beseitigt und Unmengen von Schadinsekten jagt, für das Ökosystem Wald ist. Ein aufgehacktes Loch in einem ungeschützten Ameisenhaufen verrät, dass sich hier ein Grünspecht an seiner Leibspeise – den Ameisen und ihren Larven – gütlich getan hat.

Tierische Hinterlassenschaften

Die ausgewürgten Gewölleklumpen von Eulen enthalten viele unverdauliche kleine Knochen, Federn und Fell, weil die Vögel ihre Beute in einem Happs hinunterschlucken und nicht zerkauen.
Die ausgewürgten Gewölleklumpen von Eulen enthalten viele unverdauliche kleine Knochen, Federn und Fell, weil die Vögel ihre Beute in einem Happs hinunterschlucken und nicht zerkauen.

Wie Kriminalisten am Tatort nach verdächtigen Dingen suchen, die der Täter dort hinterlassen hat, können auch kleine Walddetektive tierische Hinterlassenschaften aufspüren und versuchen, sie den richtigen Tieren zuzuordnen. Dabei hilft ihnen manchmal die richtige Losung. Das ist freilich kein Code, sondern der Fachbegriff für Tierkot. Zunächst unterscheidet man zwischen Pflanzen- und Fleischfressern: Größere Mengen Kot stammen von einem Pflanzenfresser, denn viele Pflanzenteile sind unverdaulich und werden wieder ausgeschieden. Pflanzenfresserkot ist meistens rund. 

Kleinere Mengen stammen von einem Fleischfresser, der den Großteil seiner Nahrung verwertet und daher weniger ausscheidet. Dieser Kot ist eher länglich und schmierig. Anhand der Tabelle „Fußspuren und Losung“ (siehe Seite 17) können die Kinder bestimmen, von welchem Tier eine entdeckte Losung stammt. So spannend die Diagnose für die Kleinen auch sein kann, eins ist klar: Mit bloßen Händen dürfen sie den Kot nie anfassen!

Manchmal entdeckt man am Boden seltsame, lose zusammengeballte Klumpen aus Federn, Haaren und anderen Bestandteilen: Gewölle, die Taggreife wie Bussarde, Falken und Habichte hinterlassen. Es sind die Reste ihrer Beute, die sie nicht verdauen können und einige Zeit später meist ohne Knochen wieder hinauswürgen. Wo man sie findet, lohnt ein Blick nach oben, denn häufig liegen sie direkt unter dem Horst.

Eulen wie Waldkauz, Rauhfußkauz oder Uhu kauen ihre Nahrung nicht, sondern schlucken Mäuse und Vögel in einem Happs hinunter. Deshalb müssen auch sie die unverdaulichen Teile ihrer Mahlzeit wie Federn, Knochen und Fell wieder ausspucken. Die ausgewürgten Gewölleklumpen sind etwa so groß wie Flaschenkorken und enthalten viele kleine Knochen. Wenn man sie auseinandernimmt (am besten mit einer Pinzette), kann man genau bestimmen, was auf dem Speiseplan des Vogels stand. Manchmal lassen sich daraus sogar ganze Mäuseskelette samt Schädel zusammensetzen. Auch diese Gewölle findet man unter den Nestern oder den Sitzplätzen, wo die Eulen auf Beute lauern.

Federn und Schneckenhäuser erzählen Geschichten

Ein zerschlagenes Schneckenhaus ist ein Indiz dafür, dass eine Singdrossel sich den Inhalt hat schmecken lassen.
Ein zerschlagenes Schneckenhaus ist ein Indiz dafür, dass eine Singdrossel sich den Inhalt hat schmecken lassen.

Eine schmucke Vogelfeder ist ein kostbarer Fund, den viele Waldbesucher gern mit nach Hause nehmen. Dort können sie das zarte Gebilde mit den Abbildungen in einem Bestimmungsbuch vergleichen und feststellen, von welchem Vogel es stammt: eine graue Feder vielleicht von einer Taube, eine schwarze vom Schwarzspecht, eine blaue von einer Blaumeise, eine grüne vom Grünspecht und eine hellblau-schwarz gebänderte vom Eichelhäher (die ist besonders apart). Weitere Hinweise geben die Größe und die Ränder der Federn.

Und manchmal können Federn sogar Geschichten erzählen. Man muss nur genau hinhören oder besser gesagt hinsehen. Eine abgetrennte Feder verheißt nichts Gutes: Hier wurde ein Vogel die Beute von Fuchs, Marder, Dachs oder Luchs. Beim Reißen der Beute beißt das Raubtier die Federn durch, wobei der Federkiel zum Teil in der Haut bleibt und mitgefressen wird. Die an der Rissstelle abgetrennte Feder bleibt, manchmal verklebt von Speichel, liegen. Heil bleibt der Federkiel dagegen, wenn der Vogel von einem Greifvogel gerupft wurde. Der Raubvogel greift eine Feder nach der anderen fest mit seinem Schnabel und zieht sie so mit Stumpf und Stiel aus der Haut seiner Beute. 

Auch die Todesursache einer Schnecke lässt sich ermitteln, und zwar anhand ihres Gehäuses. Ist das Schneckenhaus intakt, aber verwaist, dann ist die Schnecke wahrscheinlich eines natürlichen Todes gestorben, denn Gehäuseschnecken sind mit ihrem Haus verwachsen und können es nicht einfach mal so für einen Ausflug verlassen und dann wieder heimkommen. Findet man dagegen zerschlagene Schneckenhäuser, ist das ein Indiz dafür, dass hier eine Singdrossel am Werk war: Sie zerschmettert Schneckengehäuse auf einer harten Unterlage und lässt sich dann den Inhalt schmecken. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass gleich neben den Gehäuseteilen auch der Stein liegt, den sie als Amboss benutzt hat. 

Die Schalen der Schneckenhäuser sind aus Kalk, der größtenteils über die Nahrung aufgenommen wird. Bei Gefahr oder Trockenheit ziehen sich die Tiere in ihr Inneres zurück. 

Andere „verdächtige“ Indizien

Tote Tiere werden von den anderen Waldbewohnern stets sehr schnell „verwertet“, sodass schon nach kurzer Zeit nur noch die Knochen darauf hinweisen, dass hier ein Tier verendet ist. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, im Wald Knochen zu finden. Sie stammen entweder von Wildtieren, deren Lebenszeit abgelaufen war und die eines natürlichen Todes gestorben sind, oder von Wild, das Raubtieren oder dem Straßenverkehr zum Opfer fiel, oder auch von Hirschen und Rehböcken, die sich in ihrer Brunft lebensgefährlich verletzt haben. Im Winter und Frühjahr kann man auch zufällig auf die Abwurfstangen von Rot-, Dam- oder Rehwild stoßen. Aber Achtung, diese gehören dem Jagdeigentümer und dürfen deshalb nicht mitgenommen werden.

Mehr Erfolg haben kleine Trapper beispielsweise an hochgebogenen Zäunen, unter denen Wildtiere durchgeschlüpft sind. Wenn sie sich hindurchquetschen, bleiben an den Drahtknoten häufig Haare oder Borsten hängen. Die kurzen, harten Borsten hat ohne Zweifel ein Wildschwein gelassen, rötliche Haare dagegen das Reh-, Dam- oder Rotwild, weiße mit dunkler Spitze der Dachs und rötlich graue mit hellen Spitzen ein Fuchs. So lässt sich deutlich unterscheiden, welches Tier hier keine Grenzen akzeptieren wollte.

Angenagte Früchte, Zapfen und Blätter

Der Specht bearbeitet in seiner Schmiede einen Zapfen nach dem anderen. Darunter sammelt sich manchmal ein ganzes Arsenal abgenagter Zapfen an.
Der Specht bearbeitet in seiner Schmiede einen Zapfen nach dem anderen. Darunter sammelt sich manchmal ein ganzes Arsenal abgenagter Zapfen an.

Auch für kleinere Tiere ist der Tisch am Gasthaus Baum reich gedeckt. Viele Vögel und kleine Nagetiere fressen mit Vorliebe die ölhaltigen Samen von Nadelbäumen. Die abgenagten Zapfengerippe verraten, wer hier gefressen hat, denn jedes Tier hat seine ganz eigene Handschrift. Eichhörnchen nehmen ihr Mahl hoch oben in den Baumwipfeln ein; sie nagen die einzelnen Schuppen ab und lassen die bis auf die Spitze abgenagten Zapfen anschließend auf die Erde fallen. Sie sind daran zu erkennen, dass am übrig gebliebenen Zapfenrumpf, der Spindel, Fasern abstehen. Hat dagegen ein Mäuslein daran geknabbert, bleiben am Zapfengerippe keine Fasern zurück und die Schuppen sind nur zum Teil abgenagt. Und noch jemand weiß die Zapfen von Kiefern und Fichten zu schätzen: der Specht. Er klemmt den Zapfen zwischen Zweigen oder in einen vorher in den Stamm gehackten Spalt wie in einen Schraubstock ein und sticht dann mit dem Schnabel nach den Samen. In nur wenigen Minuten hat er alle herausgeschlagen. Manchmal verkeilt er die Zapfen auch in einer Kerbe an einem Stuken, also einem groben Holzklotz oder einer ausgerodeten Baumwurzel. Solche Stellen nennt man treffend Spechtschmieden. Weil er immer wieder in seine Schmiede zurückkehrt und einen Zapfen nach dem anderen verarbeitet, findet man unter solchen Bäumen oft ein ganzes Arsenal abgenagter Zapfen. Typisch für sie sind die zerhackten und zerfaserten Schuppen.

Viele dankbare Abnehmer finden auch Früchte wie Eicheln oder Haselnüsse. An den Fraßspuren an angenagten Haselnussschalen unter Haselsträuchern können kleine Waldforscher die jeweiligen Nutznießer gut ermitteln. Der Specht hackt die Nuss in seiner Spechtschmiede auf. Um das Loch herum sind deutlich seine Schnabelspuren zu sehen. Eichhörnchen nagen die harte Schale an der Spitze an und knacken sie dann in zwei Hälften, um an die nahrhafte Delikatesse zu kommen. Da junge Eichhörnchen erst noch üben müssen, nagen sie die Schale oft an mehreren Stellen an. Mäuse gehen anders vor. Die kleine Haselmaus knabbert ebenso wie die Waldmaus ein kleines rundes Loch in die Schale und erweitert es entlang der Kante; darin haben ihre Zähnchen parallel zur Öffnung deutliche Spuren hinterlassen. Bei einer von der Rötelmaus benagten Schale stehen die Zahnspuren senkrecht zum Lochrand. Hat die Haselnuss nur ein winziges Loch, ist dies das Werk des Haselnussbohrers. Dieser Rüsselkäfer bohrt es in die Schale, um dann seine Eier in die Nuss zu legen. Manch ein Hainbuchennüsschen oder eine Buchecker, die man in der Rinde eines Eichenbaumes stecken sieht, hat der Kleiber dort fixiert. Er hämmert sie, ganz ähnlich wie der Specht, in seiner Kleiberschmiede mit dem Schnabel auf.

Baumschäden durch Insekten und Larven

Insekten nutzen Bäume auf vielfältige Weise: als Nahrung, Wohnstätte und als Kinderstube, in der sie ihren Nachwuchs aufziehen. Borkenkäfer wie der Kupferstecher oder Buchdrucker bohren sich in die Rinde geschwächter Fichten ein. Danach senden sie Duftstoffe aus, die weitere Käfer anlocken. Unter der Rinde frisst das Buchdruckerweibchen einen sogenannten Muttergang frei und das Männchen frisst eine Rammelkammer, in der sich die Käfer paaren. Es benutzt seine eingedellten Flügeldecken als Schaufeln, um das anfallende Bohrmehl nach draußen zu befördern. Anschließend legt das Weibchen seine Eier an den Seitenwänden des Muttergangs ab. Später bohren die Larven – es sind 20–100 pro Gang – quer zum Muttergang geschwungene Fraßgänge. Am Ende des Fraßganges verpuppen sie sich und bohren sich dann nach außen. 

Beim Fressen in der Rinde entsteht braunes Bohrmehl, das der Käfer aus dem Einbohrloch schiebt. Wird dagegen helles Bohrmehl herausgedrückt, bedeutet das, dass hier ein Käfer direkt zwischen Rinde und hellem Splintholz frisst. Dieses Holz verliert an Wert, denn die Fraßgänge sind später am gesägten Holz sichtbar. Ist ein Baum stark von Borkenkäfern befallen, fließt vermehrt Harz aus, die Rinde fällt ab und offenbart die Fraßgänge, die je nach Art ein ganz typisches Muster aufweisen. Das geschieht, während die Krone noch grün ist, doch allmählich verfärben sich die Nadeln rot. Dadurch, dass die Larven sich vom Bastgewebe, der lebenden Schicht unter der Borke ernähren, werden die lebenswichtigen Saftbahnen des Baumes unterbrochen und er stirbt ab. 

Andere Schadinsekten und Schmarotzer sind auf Blattfraß spezialisiert. So legt zum Beispiel der kleine Buchenspringrüssler, ein Rüsselkäfer, seine Eier an der Unterseite von Buchenblättern ab. Später frisst die Larve erst einen schmalen, dann einen breiteren Bereich, wodurch sich die Blätter an diesen Stellen braun verfärben. Am Ende sind die Blätter zur Hälfte braun und etwas wellig. 

Die Raupe des Frostspanners, eines Schmetterlings, frisst an fast allen Laubbäumen und kann zusammen mit dem Eichenwickler ganze Eichenbestände kahl fressen. Während dieser Fressphase kann der aufmerksame Waldbesucher tatsächlich hören, wie der Kot auf die Laubstreu rieselt.

Entdeckt man kleine rötlich grüne Kugeln an der Unterseite von Eichen- oder Buchenblättern, sind das Gallen oder – weil sie an kleine Äpfel erinnern – Galläpfel. Die Übeltäter sind meist Gallwespen, die das Blatt anstechen und ihre Eier in den Blattnerven ablegen. Um sich dagegen zu wehren, hüllt das Blatt die Eier in eine Kugel ein. Der Schuss jedoch geht nach hinten los: Für die Eier und Larven sind diese Gallen die ideale Kinderstube, in der sie gut mit Nährstoffen versorgt werden. Aus den Larven werden Puppen und daraus schlüpfen bald die jungen Eichengallwespen. Gallen verursachen auch die große Buchenblatt-Gallmücke und die Fichtengalllaus.

Feine Gespinste

Im Morgentau glitzern die filigranen Netze von Spinnen wie Diademe, doch tagsüber bemerkt man sie im Schatten der Bäume manchmal erst, wenn man auf einmal etwas Klebriges auf der Haut spürt. Die Achtbeiner spinnen mit ihren Spinndrüsen am Hinterleib Fäden, aus denen sie ein kunstvolles Netz bauen, in dem sich Fliegen und andere Beutetiere unentrinnbar verfangen. Manche kleinen Spinnen lassen sich am Faden hängend mit dem Wind transportieren. Doch auch Schmetterlingsraupen können Spinnfäden herstellen und damit Blätter einrollen, in denen sie sich dann verpuppen, oder sich mit dem Faden in einer Baumkrone zum nächsten Blatt, ihrer neuen Futterstelle, abseilen.

Totes Holz voller Leben

Im LÖWE-Wald der Niedersächsischen Landesforsten – die Abkürzung steht für Langfristige Ökologische Waldentwicklung – sollen einige Bäume uralt werden und natürlich sterben können. Die Forstleute markieren diese Bäume mit einem X. Aber auch dünneres, jüngeres Totholz, egal ob liegend oder stehend, ist für das Ökosystem Wald enorm wichtig. Denn von diesen Baumveteranen profitieren viele Arten; so zimmern Spechte zum Beispiel im morschen Holz Höhlen, die dann von Fledermäusen und anderen Nachmietern übernommen werden. Auch Pilze, Moose, Flechten und Insekten besiedeln abgestorbene Bäume und leben von ihnen. An Totholz lassen sich bis zu 1000 verschiedene Arten nachweisen. 

Totholz ist ein spannendes Untersuchungsobjekt für Kinder, die hier erkennen können, dass in der Natur alles verwertet wird und einem ewigen Kreislauf unterliegt.

Schon gewusst?
Achtung, jetzt wird es ein bisschen eklig. Die Forstleute im LÖWE-Wald erkennen nicht nur Tierspuren, sondern auch die sogenannte Losung von Tieren. Das hat nichts mit einem Geheimcode zu tun, sondern bezeichnet schlicht und ergreifend Tierkot. Die Losung also bitte nie mit den bloßen Händen anfassen!

Beredte Spuren an Bäumen

Bäume dienen den einen Waldbewohnern zur Körperpflege, den anderen als Kinderstube und wieder anderen als „Gasthaus zum grünen Baum“.
Bäume dienen den einen Waldbewohnern zur Körperpflege, den anderen als Kinderstube und wieder anderen als „Gasthaus zum grünen Baum“.

Dass manche Fichten einen Bauch haben, ist die Schuld von Rothirschen, die sich an ihrer Rinde den Bauch vollschlagen.

Bäume sorgen im Wald nicht nur für gute Luft und Schatten, sondern helfen den tierischen Waldbewohnern auch in vielerlei anderer Hinsicht. Die einen nutzen sie zur Körperpflege, die anderen als Kinderstube und eine ganze Heerschar hungriger Mäuler kehrt einfach gern im „Gasthaus zum grünen Baum“ ein, wo es immer eine schmackhafte Mahlzeit gibt.

Wildschweine und Hirsche, die sich im Schlamm suhlen, schaben sich anschließend an Bäumen mit rauer Rinde die angetrocknete Packung ab (siehe oben). Schlamm- und Scheuerspuren an diesen Malbäumen sowie anhaftende Haare oder Borsten sprechen eine deutliche Sprache. Befinden sich die Spuren in etwa 30–70 Zentimetern Höhe, haben Schwarzkittel sich genüsslich daran gerieben, darüber das höher gewachsene Rotwild. Außerdem markiert das Rot- und Schwarzwild an Malbäumen auch sein Revier. Malbäume heißen sie übrigens deshalb, weil das Wild sie mit Schlamm bemalt und darauf gewissermaßen seine Visitenkarte hinterlässt.

Ist die Rinde des Baumes beschädigt, deutet das zwar auf die üblichen Verdächtigen hin, hat aber andere Ursachen. Rehböcke, Dam- und Rothirsche streifen die sich in Fetzen ablösende Bastschicht (die behaarte Haut) von ihrem neuen Geweih an jungen Baumstämmen ab; Jäger bezeichnen dies als fegen. Dabei wird auch die Baumrinde in Fetzen abgerissen. Diese blanken Fegestellen sind im Frühjahr gut zu erkennen, und manchmal kann man an frischen Fegestellen sogar noch Bastfetzen finden. Auch Äste und Zweige werden dabei geknickt oder abgerissen. Ist die Rinde ringsherum komplett abgescheuert, stirbt der Baum. Später im Jahr reibt sich der Rehbock an Bäumen oder Sträuchern, um damit eine Duftmarke zu setzen. Damit und mit sogenannten Plätzstellen (Kratzstellen auf dem Boden) grenzt er sein Revier gegenüber anderen Böcken ab. Kratzspuren am unteren Teil von Baumstämmen haben Dachse hinterlassen, die an der Rinde ihre Krallen schärfen und säubern. 

Die Wipfel- und Seitentriebe von jungen Bäumen sind eine willkommene Nahrung für Pflanzenfresser wie Rehwild, Damwild, Rotwild und manchmal auch Hasen. Vor allem im Winter, wenn im Wald Schmalhans Küchenmeister ist, sind die Knospen der frisch gepflanzten Bäume eine nahrhafte Mahlzeit für die Tiere. Bei solcherart „vernaschten“ Bäumen spricht der Förster von Verbiss. Je nachdem, wie die Abbissstelle aussieht, können Walddetektive auch hier wieder feststellen, welches Tier da geknabbert hat. Hasen hinterlassen mit ihren scharfen Zähnen im Ober- und Unterkiefer einen glatten Schnitt, Reh-, Rot- und Damwild eine ausgefranste Bissstelle, an der kleine Fasern zurückbleiben. Da diese Tiere nur im Unterkiefer Schneidezähne besitzen, müssen sie die Triebe abzupfen. Bäume, die wiederholt ein Opfer von Verbiss werden, verbuschen mit der Zeit. Das kann letztlich dazu führen, dass Laubbäume immer mehr verdrängt werden. 

Aufmerksamen Waldbesuchern fallen vielleicht auch Fichten mit „Bauch“ auf, die man treffenderweise als Flaschenbauchfichten oder Flaschenhalsfichten bezeichnet. Schuld an den unnatürlichen Bäuchen in einer Höhe von 1–2 Metern sind Rothirsche und Hirschkühe, die mit ihren Zähnen die Rinde abschälen und fressen. Fichtenrinde ist nämlich ein natürlicher Bestandteil ihres Speisezettels. Solche Verletzungen der Rinde nennt der Förster Schälschäden. Wenn die Wunden dann überwachsen werden und Pilze eindringen, wird der Baum an dieser Stelle mit der Zeit immer dicker. Je mehr Schälstellen, desto mehr bläht sich der Bauch auf. Die Pilze machen das Holz weich, zersetzen es und entwerten es damit. Gerade am untersten, dicksten Ende des Stammes entsteht ein großer Wertverlust. Ganze Waldbestände können dadurch instabil und somit auch anfälliger gegen Windbruch oder Schneedruck werden.

Spechte suchen an den Bäumen nach Insektenlarven. Sie klopfen die Rinde ab und spüren dabei die Larven, die sich unter der Rinde eingenistet haben. Dann hacken sie die Rinde mit ihrem Meißelschnabel ab und holen die fette Beute mit ihrer langen klebrigen Zunge heraus. Haben sich die Larven ins Holz gebohrt, hacken die Spechte den Stamm unermüdlich so weit auf, bis sie an den Leckerbissen, beispielsweise eine Holzwespenlarve, kommen – bis zu 10.000 Mal an einem einzigen Tag! Dabei können riesige Löcher entstehen. Solche Specht-Hackstellen findet man in allen möglichen Höhen.